Wen lädt man zur Hochzeit ein?
Schreibt zuerst ohne Rücksicht auf Platz und Budget alle auf, dann streicht in Runden. Wer bei der Frage "Würde es mir auffallen, wenn diese Person fehlt?" ein Nein bekommt, steht auf der falschen Liste.
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Die Gästeliste ist bei den meisten Hochzeiten der Punkt, an dem es zum ersten Mal ernsthaft knirscht. Nicht weil die Entscheidung schwer wäre, sondern weil zwei Familien mit unterschiedlichen Erwartungen aufeinandertreffen und niemand als derjenige dastehen will, der jemanden gestrichen hat. Ein Verfahren hilft mehr als eine Diskussion.
Vier Runden
Runde eins: alles aufschreiben
Beide schreiben getrennt auf, wen sie dabeihaben wollen. Ohne Rücksicht auf Platz, Budget oder was die Eltern sagen könnten. Diese Liste ist absichtlich zu lang, das ist ihr Zweck.
Runde zwei: die Eltern dazunehmen
Beide Elternpaare bekommen die Frage, wen sie ergänzen möchten, mit einer Zahl dazu: "Ihr habt zehn Plätze." Ohne Zahl wird die Liste unbegrenzt, mit Zahl treffen die Eltern die Auswahl selbst. Das verlagert die unangenehme Entscheidung dorthin, wo die Beziehungen liegen.
Runde drei: die ehrliche Frage
Geht die Liste durch und fragt bei jedem Namen: Würde es mir auffallen, wenn diese Person nicht da ist? Nicht "Wäre es unhöflich", sondern ob es euch fehlen würde. Bei einem Nein kommt der Name auf die zweite Liste.
Runde vier: die zweite Liste
Die Gestrichenen sind nicht verloren. Sagen Gäste ab, und das tun erfahrungsgemäß einige, rücken sie nach. Wichtig ist nur, dass Nachrücker die Einladung nicht auffällig spät bekommen. Vier Wochen vorher ist die Grenze, danach merkt man es.
Die unangenehmen Fälle
Kollegen
Entweder alle aus dem engeren Team oder keinen. Zwei von fünf einzuladen, spricht sich am Montag herum. Wenn ihr unsicher seid: Ladet niemanden ein und feiert stattdessen separat mit dem Team. Das ist leichter zu erklären als eine Auswahl.
Partner von Gästen
Die Regel, die niemanden verletzt: Wer in einer festen Beziehung lebt, wird mit Partner eingeladen, auch wenn ihr diesen kaum kennt. Bei frischen Beziehungen fragt ihr kurz nach. Auf der Einladung stehen dann beide Namen, nicht "und Begleitung".
Entfernte Verwandte, die ihr nie seht
Hier hilft die Frage: Wären wir zu deren Hochzeit eingeladen worden? Und die zweite: Wer wäre gekränkt, und wie lange? Manche Kränkung hält drei Wochen, manche zehn Jahre. Die Antwort kennen meistens die Eltern besser als ihr.
Kinder
Alle oder keine, mit einer Ausnahme: Die Kinder aus dem engsten Kreis, also Geschwisterkinder und Patenkinder, dürfen anders behandelt werden. Das versteht jeder. "Nur unsere Nichten" nicht.
Menschen, die ihr eigentlich nicht wollt
Wenn eine Einladung nur aus Pflicht erfolgt und euch der Gedanke daran den Tag verdirbt, ladet nicht ein. Es ist euer Tag. Rechnet aber damit, dass ihr die Entscheidung erklären müsst, und überlegt vorher, wie.
Wie viele sagen tatsächlich ab?
Eine belastbare Zahl gibt es nicht, weil sie stark davon abhängt, wie weit die Gäste anreisen und wie viel Vorlauf sie hatten. Als grobe Orientierung: Bei Gästen aus der Region sagen wenige ab, bei Anreise über mehrere hundert Kilometer deutlich mehr. Wer die Location knapp kalkuliert, sollte nicht mit Absagen rechnen, sondern mit der vollen Zahl planen. Absagen sind eine angenehme Überraschung, das Gegenteil ist teuer.
Getrennte Listen für getrennte Feiern
Wenn ihr an mehreren Tagen feiert, etwa Standesamt im kleinen Kreis und die große Feier am Wochenende darauf, braucht ihr streng genommen zwei Listen. Der häufigste Fehler dabei ist, das auf der Einladung nicht klar zu trennen. Wer nicht erkennt, zu welchem Teil er eingeladen ist, fragt entweder nach oder erscheint zum falschen.
Praktisch löst sich das, indem die Rückmeldung je Feier getrennt abgefragt wird. Dann entsteht die Aufteilung von selbst, und ihr müsst am Ende nicht aus einer Gesamtliste herausrechnen, wer wozu kommt.
Die Liste sauber führen
- Eine Zeile pro Person, nicht pro Haushalt. Sonst stimmt die Zahl für den Caterer nicht.
- Spalte für Essenswünsche gleich mitführen, das spart die zweite Abfragerunde.
- Vermerken, wer zu welcher Feier eingeladen ist, wenn es mehrere gibt.
- Wer abgesagt hat, bleibt in der Liste stehen und wird markiert, nicht gelöscht. Sonst fragt ihr in drei Wochen nochmal nach.
- Die Liste an einer Stelle führen, auf die beide Zugriff haben.
Kurz zusammengefasst
- Zahl zuerst festlegen, dann die Liste schreiben.
- Eltern bekommen ein Kontingent, keine offene Frage.
- Kollegen: alle oder keinen.
- Zweite Liste anlegen, Nachrücker aber nicht später als vier Wochen vorher einladen.
- Bei mehreren Feiern je Feier getrennt zusagen lassen.